Mittwoch, 11. Februar 2015

Anonymes Sterben

Ich hoffe es wird heute kein sentimentaler, trauriger Post.

Ich bekam so viele Mails mit Fragen über das anonyme Begräbnis für meinen Vater, sodass ich nach langem Überlegen mich entschieden habe, heute ein paar Zeilen und Gedanken darüber zu schreiben***

Eines Tages sagte mein Vater sehr "streng" er müsse mit mir sprechen.

Wenn es ihm eines Tages schlecht gehn soll, und er in eine Klinik müsse, dann will er auf keinem Fall an Maschinen gehängt werden. Er möchte auch keine unnötigen Medikamente verabreicht bekommen. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass mein (eigensinniger) Vater herzkrank war, und sich nicht in angemessener Weise behandeln lies. Die Ärzte taugen eh nichts, waren immer seine Worte  und gegen diese Worte durfte man auch nicht wiedersprechen.
 
Mein Vater erklärte mir dann auch, dass er anonym beerdigt werden möchte. Er will keine Todesanzeige in der Zeitung ebenso will er keine Messe gelesen haben. Mit der Kirche hatte es mein Vater nicht so;grins.Er will verbrannt werden und an seinem Grab soll niemand stehen. Es braucht auch niemand zu wissen wo er "dann ist".

Dieses Gespräch musste ich dann erstmal verdauen. Natürlich habe ich ihm mein Versprechen gegeben alles in seinem Sinne zu regeln.
Einzige Bedingung war, dass er niederschreibt, dass ICH ALLEINE die bin, die im Falle eines Falles das Sagen hat.

Als erstes habe ich damals eine Patientnverfügung gekauft und ihm zur Unterschrift vorgelegt. Mein zweiter Weg war der zum Bestatter um einen Beratungstermin auszumachen. Lustig war das schon irgendwie als ich dann mit meinem Vater gemeinsam seine "Beerdigung" geplant habe:-)))

Die ganzen darauf folgenden Jahre habe ich mir keine großen Gedanken gemacht, wie das für mich sein wird, wenn der TagX dann da ist. "Mein Vater lebt in meinem Herzen und  ich brauche kein Grab um an ihm zu denken, waren stets meine Worte wenn ich auf SEINEN letzten Willen angesprochen wurde.

Irgendwann war dann TagX da.
Mein Vater lag in der Klink und ihm ging es von Tag zu Tag schlechter. Die Patientenverfügung hing an seinem Bett und ich wurde über jeden Schritt informiert. Als ich dann  auf die Intensivstation ans Sterbebett gerufen wurde dauerte es noch lange 5 Stunden bis er Weg in die andere Welt geschafft war. Meine letzten Worte zu ihm waren: Du bekommst alles so wie du es dir gewünscht hast***

Nun begann eine schwere Zeit für mich.
Das Einzige, was ich noch für ihn tun konnte, war, dass ich sämtliche Bilder die in seiner Wohnung hingen aus dem Rahmen genommen habe, in ein Kuvert gegeben habe und dem Bestatter darum bar, ihm das Andenken an mich, meine Kinder und den Enkel M... ihn in den Sarg zu legen.

Ich wusste vom Bestatter auf welchen Friedhof die Urne gebracht wurde und ich wusste auch den Tag und die Uhrzeit wann sie beigesetzt werden sollte. Mein Bruder, der sich die ganzen Jahre nicht um meinen Vater gekümmert hat, konnte die Tatsache nicht akzepieren. dass die Urne mutterseelenallein eingegraben werden solle. Er hat mich überredet mit ihm zum Friedhof zu fahren.

Mein Gewissen über mein gegebenes Versprechen hat dann aber so laut geschrien, dass ich meinem Bruder verboten haben auf den Freidhof zu fahren. Gemeinsam sind wir zum Pizzaessen gegangen und haben just um die Uhrzeit als mein Vater seinen letzten Platz bekommen hat, ein Weisbier auf ihn getrunken:-)))

 Es tut mir unsagbar weh, dass ich kein Grab habe an das ich gehen kann um mit ihm zu reden. Ich vermisse auch den Trauerschmerz an einem offenen Grab zu stehen, das wurde mir genommen. Ihr könnt euch das vielleicht nicht vorstellen, ich hätte es auch nicht geglaubt. Oft fahre ich zum Friedhof und lege auf ihrgendeinem Platz Blumen nieder oder zünde eine Kerze an, Doch es ist nicht der Platz wo ER ist, das hat mir lange zu schaffen gemacht.

Heute nach 7 Jahren komme ich damit klar, doch es war ein langer Weg für mich.Ich bin froh, und sogar stolz auf mich, dass ich den letzten Willen meines Vaters so erledigt habe wie ER es wollte***

Danke an alle,die bis zum Ende meines Post`s durchgehalten haben***



Bevor ich nun zu sentimental werde,zeige ich euch noch schnell was ich gestern trotz brennenden Augen, rotziger Nase und krankem Enkel gestickt habe:




Ein wenig zeitaufwendig zum Sticken war das schon, das muss ich zugeben aber das Endergebnis ist jeden Fadenwechsel wert. Kennt ihr die Datei schon; es ist das neueste Werk von Nette/Frau Regenbogenbuntes.Heute nachmittag werden diese "süßen Scheißerchen" würdigen Platz finden***So schnell wie möglich zeige ich euch dann das Endergebnis:freu




ich wünsche euch einen schönen Tag und wer noch Fragen zu diesem geschriebenen Thema hat, darf sie mir jederzeit stellen**

herzliche Grüße Barbara

Kommentare:

Bärbel hat gesagt…

Liebe Barbara,
ich muß gestehen,ich bin keine Friedhofgängerin. Wenn man in der Nähe wohnt und wohnen bleibt, mag ein Grab gut sein - und viele Leute brauchen das auch, um zu sehen, wo der/die Verstorbene seine letzte Stätte gefunden hat. Wenn man eine große Entfernung von z. B. 400 km zwischen sich und dem Grab nur für die Pflege hat, kann es auch zu einer Belastung werden.
Ich habe meinen Mann im Januar 2014 verloren. Er wurde nur 42 Jahre alt und verstarb innerhalb nur 4 Wochen nach der Diagnose - Krebs. Es war schrecklich - ist es heute noch.
Wir hatten mal einen Beitrag über eine Diamantbestattung gesehen und fanden es damals beide eine schöne Idee, nicht ahnend, daß es mal in Betracht kommt. Doch als es soweit war, wußte ich, daß ich genau das möchte. Aus der Asche meines Mannes wurde ein Diamant hergestellt und diesen trage ich jetzt immer bei mir. Aus seinem Ehe- und Verlobungsring habe ich mir einen Anhänger fertigen lassen, in dem der Diamant gefaßt ist. Für mich ist DAS eine gute Lösung. Ich trage in an und in meinem Herzen - für immer.
So sind die Wünsche verschieden. Ich finde es schön, daß Sie dem Wunsch Ihres Vaters entsprochen haben. So konnte auch er seine Ruhe finden. ...und einen Ort haben Sie ja, wo Sie wissen, wo er liegt.
LG Bärbel

Sandra hat gesagt…

Liebe Barbara,
ein guter Freund von mir ist vor ein paar Jahren völlig überraschend gestorben. Seine Familie organisierte die Beerdigung, und die war leider anonym. Ich weiß nur den Friedhof, sonst nichts. Mir fehlt die Trauerfeier, die Beerdigung, das Abschiednehmen.
Ich finde das sehr schade, wie das alles gelaufen ist. Gerne hätte ich einen Ort, an den ich gehen kann, wenn ich traurig bin und ich meinen Freund vermisse. Für mich ist das sehr wichtig.
Allerdings kann ich auch Bärbel verstehen, wenn ein Grab zur Belastung wird, weil eine große Entfernung da ist.

Trotz allem finde ich es sehr schön, dass Du den letzten Willen von Deinem Vater respektiert hast. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er wohlwollend von oben zugesehen hat, als Du und Dein Bruder auf ihn angestoßen habt.
LG, Sandra